Erster Advent und grauer Himmel. Da ist das hochkarätige Haus der Geschichte eine gute Idee. Hier wird die Entstehung und Entwicklung Baden Württembergs dargestellt.

 

In Verbindung mit einem Spaziergang durch den spätherbstlichen Park und einem Besuch des Weihnachtsmarkts haben wir einen ausgefüllten Sonntag.

Stuttgarts große Parkflächen, das „Grüne U“

Von Bad Cannstatt spazieren wir durch den Park bis zum Schlossplatz. In anderer Richtung könnte man, immer im Grünen, bis zum Killesberg wandern

Diese große zusammenhängende Grünfläche, das „Grüne U“ wurde zur Bundes-Gartenschau 1977 geschaffen

Der Stuttgarter Biergarten nahe des Bahnhofs ist nur im Sommer geöffnet. Zur Zeit wird er von der gigantischen Stuttgart-21-Baustelle bedrängt

Der Obere Schlossgarten mit seinem See wird von den Werktätigen drumrum gerne in der Mittagpause aufgesucht. Im Hintergrund der Bahnhofs-Turm

Stuttgarts Schauspielhaus, das „Kleine Haus“

Daneben das „Große Haus“, das Staatstheater mit Oper und Ballett

Haus der Geschichte

Bis zur Führung bleibt noch Zeit für einen Kaffee im „Tempus“, dem schönen Bistro im gleichen Haus

Zur Weihnachtszeit passend thematisiert die Museums-Führung „Geschenke“. Super spannend stellt unser Museums-Führer ein paar Geschenke vor:

 

Die württembergische Königskrone
war eine „Geschenk“ Kaiser Napoleons. Vor 1806 gab es über 100 Kleinstaaten im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg. Napoleon besiegte die Region und ließ nur noch 2 Herrscher übrig, deren Reiche sich gewaltig vergrößerten: der Herzog von Württemberg wurde zum König, der Marktgraf von Baden zum Großherzog. Doch in der Politik gibt es keine Geschenke ohne Gegenleistung. Württemberg und Baden mussten Geld und Soldaten für Napoleons Russlandfeldzug zur Verfügung stellen. Von Tausenden junger Soldaten kehrten nur wenige in die Heimat zurück.

 

2 kleine Bücher, die Verfassungen von Württemberg und Baden (1818)
waren „Geschenke“, weil das Volk aufbegehrte.

 

Pokale und einen Silber-Kranz
schenkten Bürger den Abgeordneten des neuen Parlaments. Aus Dankbarkeit für deren mutigen Einsatz für die Verfassungsrechte. Denn die Herrscher versuchten bald, die Zugeständnisse ans Volk, vor allem die Pressefreiheit, wieder zurückzunehmen.

 

Kleine Büchlein mit Hitler-Cover und -Texten als Christbaumschmuck
hängte man an den Weihnachtsbaum. Politik war nicht „da draussen“, sondern im intimen Raum der Familie.

 

Eine kleine Puppenwiege,
ein Geschenk des Onkels, der in Istanbul geblieben war, während das kleine Mädchen mit seiner Familie vor politischer Verfolgung floh. Der Onkel wurde später vor seinem Haus von Fundamentalisten erschossen.

 

Die deutsche Staatsangehörigkeit. Und eine Italien-Landkarte,
die ein italienischer Tunnel-Bauer aus der Heimat geschenkt bekam. Er war staatenlos in Deutschland, und als er 1910 eine deutsche Frau heiratete, wurde auch sie staatenlos und musste jedes Jahr eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Erst als der Sohn freiwillig in den 2. Weltkrieg zog wurde ihm und seiner Mutter die deutsche Staatsangehörigkeit zuerkannt.

 

Souvenirs aus dem Schwarzwald,
z.B. ein Püppchen mit dem roten Bollenhut. Unser Führer erzählt, dass dieser berühmte Hut nur in 3 Gemeinden um Gutach getragen wird. Doch einer der erfolgreichsten deutschen Nachkriegs-Filme, „Das Schwarzwaldmädel“ (1950) prägte das Schwarzwald-Bild der Deutschen. Und dazu gehört seither der Bollenhut als Symbol für den Schwarzwald.

Weihnachtsmarkt

Der Schlossplatz, prächtig illuminiert

Am milden Abend des 1. Advend herrscht großer Andrang auf dem Weihnachtsmarkt. Die Fenster des Rathauses sind wie Türchen vom Advends-Kalender dekoriert.

2 Kommentare

  1. Liebe Lisa,
    immer wieder interessant, sich in der heimatlichen Umgebung umzuschauen und von Geschichte, Geschichten 🙂 und Hintergründen zu hören. Ich habe das am Wochenende auch gemacht, in Hamburg und gleich um die Ecke bei mir, allerdings mit einer Stadtführerin (und zwischendurch mit einem Glas Punsch in einem historischen Haus), und vieles erfahren, von erstaunlich über tragisch bis zuweilen lustig.
    Danke für den Beitrag und herzlichen Gruß, Irene

    • Schön von dir zu hören, liebe Irene. Ja, eigentlich müsste man nicht verreisen, es gibt auch hier viel zu erleben. Von Lonley Planet wurde Deutschland übrigens zum zweitbeliebtesten Reiseland der Welt gekürt, davor liegt nur noch Sri Lanka.

      Doch anderswo ist das Wetter besser. Deshalb freue ich mich jetzt sehr auf die Türkei, übermorgen geht es los. Dir eine schöne Advendszeit!

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