Leider kann ich nicht wie geplant wandern. Ischias-Schmerzen im Bein machen mich ziemlich unbeweglich.

 

Statt Wanderungen gibts nun Spaziergänge, Sightseeing, Strand. Ich wohne in Soller, schone mein Bein und mache kleine Ausflüge. Glücklicherweise sind die Orte der Tramuntana wunderschön und lohnen ein längeres Verweilen.

Soller, die „Berg-Hauptstadt“ Mallorcas

Nahe dem edlen Gran Hotel habe ich mich einquartiert

Vom Hotelfenster blicke ich auf den schön gestalteten Innenhof. Ich wohne direkt im Zentrum,

mit engen Gassen und schönen Innenhöfen

Quer durch die Stadt verkehrt die historische Straßenbahn, die von Port Soller herauf kommt. Eigentlich einspurig geführt, gibt es definierte Ausweichstellen für die entgegenkommende Bahn

Die Bahn fährt quer über den bevölkerten Hauptplatz vor der Kirche

Oktober bis Mai ist Rad- und Wandersaison, dann wird es zu heiß

Auf Tuchfühlung mit der ratternden Holzbahn

Die schmalen Straßen erweitern sich erst außerhalb der Stadt zu Landstraßen

Malerische Altstadtgassen

Nachdem ich nicht wandern kann, erfreue ich mich an der Schönheit des Ortes

Bus-Ausflug nach Valldemossa

Der Express-Bus Nr. 211 nach Palma braucht 1 Stunde. Bus Nr. 210 fährt auch nach Palma, allerdings über die Orte Deia und Valldemossa. Den besteige ich für einen Ausflug nach Valldemossa (50 min).

Die Straße in den Bergen ist schmal. Die Busfahrer müssen mit Radfahrern, Gegenverkehr und engen Kurven klar kommen. Das meistern sie virtuos

Schöne Gutshäuser, Olivenheine und Orangengärten liegen am Weg

Die Küste bei der Cala de Deia, hier verläuft der schöne Küstenwanderweg nach Lluc Alcari

Valldemossa, Bilderbuch-Ort in den Bergen

 

Valldemossa wurde berühmt durch den polnische Komponisten Frederic Chopin, der hier mit seiner Lebensgefährtin George Sand den Winter 1838/39 verbrachte

Vor allem, weil George Sand hernach ein Buch darüber schrieb

Chopin wollte wegen seiner Lungenkrankheit in wärmere Gefilde, und er wusste nicht, dass Valldemossa im Winter eher regenreich und kalt ist. Kein Wunder, dass das Paar sich hier nicht wohl fühlte.

 

George Sand läßt in ihrem Roman Winter auf Mallorca kein gutes Haar an den Mallorquinern. Dennoch machte dieser Roman Mallorca berühmt, und Valldemossa zur Touristenattraktion.

Chopin und George Sand wohnten in einer ehemaligen Mönchszelle. Heute ist das ganze Kloster ein Museum. Besonders stolz ist man auf den Pleyel-Flügel, auf dem der Meister gespielt hat

Zum Klosterkomplex Cartuja de Jesus Nazareno gehört auch ein schöner Garten

Das Denkmal für den Erzherzog Ludwig Salvator von Habsburg. Der gelehrte Abenteurer wohnte zeitweise auf Mallorca und erstellte die umfassendste Mallorca-Monografie aller Zeiten

Der Arxiduc, Erzherzog Ludwig Salvator von Habsburg

Jedes Kind auf Mallorca kennt den Arxiduc. Er war ein Cousin des österreichischen Kaisers Franz Joseph, lernte Mallorca während ausgedehnter Forschungsreisen kennen und erwarb mehrere Landgüter um Valldemossa und Deia. Hier besuchte ihn auch die junge Kaiserin Sissi.

 

Der hochgebildete Abenteurer beherrschte 15 Sprachen – darunter natürlich auch Mallorquin – und hinterließ bedeutende Spuren auf Mallorca. Er legte zahlreiche Reitwege und Miradors an, und setzte sich ein für den Schutz der alten Olivenhaine.

 

Daneben hielt der Erzherzog alle Details über Land und Leute fest und verfasste mehrere Werke darüber: Sein 7-bändiges Werk „Die Balearen in Wort und Bild geschildert“ ist bis heute die umfassendste Mallorca-Monografie.

Rund um die Pfarrkirche San Batolomé liegt der älteste Teil Valldemossas

Valldemossa hat sogar eine eigene Schutzheilige. Nahe der Kirche befindet sich ihr Geburtshaus

Das Geburtshaus ist als Gebetsraum gestaltet

Fast jedes Haus schmückt eine bunte Kachel, auf der eine Nonne abgebildet ist und die Inschrift:

„Heilige Catalina Thomas, bete für uns“

Blumentöpfe verschönern die Hauswände

Die Hauptstraße durch den Ort. Links die Bar, wo wir vor 5 Jahren gerne einkehrten. Allerdings Indoor, denn damals Anfang Mai war es abends ziemlich kalt. Erinnerst du dich, Irene?

Gegenüber die Traditions-Bäckerei, die es seit 1920 gibt

mit großen Kuchenauswahl

Die Bushaltestelle liegt nahe dem autofreien Stadtzentrum. Ein lokaler Polizist zeigt Präsenz und wird von allen vorbei gehenden Einheimischen freundlich gegrüßt. Manche bleiben gleich stehen für ein Schwätzchen

Port Soller, Soller´s Verbindung zum Meer,

ist ein schöner Fischerei- und Jachthafen, der an einer fast vollständig geschlossenen Bucht liegt

Zwischen Soller und dem Hafen verkehrt die Tram, ein echtes Touristen-Highlight (Prospektbild)

Ich verbringe meinen letzten Nachmittag und Abend am Strand und an der Uferpromenade,

vor allem auf der Terrasse des schönen Restaurants Mar Y Sol, das sich im ehemaligen Tram-Bahnhof befindet. Ich genieße das laue Sommerwetter, die entspannte Atmosphäre, das leckere Essen

Der alte Bahnhof von Soller, direkt am Hafen

Mit der Tram fahre ich am Abend komfortabel nach Soller zurück (4km, 15 min, 7€)

Wir schauen aus der Bahn hinaus, Kinder winken uns zu, und Touristen machen Handyfotos

Auf dem Heimweg zum Hotel In Soller, komme ich an einer einfachen Kneipe vorbei,

und es bietet sich ein typisch südländisches Bild: Chillende Männer unter sich

Auf dem großen Platz vor Kirche und Rathaus spielen einheimische Kinder Fußball. Für ein letztes Bier setze ich mich in eines der Lokale am Marktplatz und schaue ihnen zu

Die Jungs sind unterschiedlich alt. Ein älterer Touristen-Junge kommt hinzu und will mitspielen. Ganz selbstverständlich werden ihm die Regeln erklärt, etwas später kommt noch seine Schwester dazu.

 

Der Torhüter sitzt auf der Bank vor dem Rathaus auf seinem Tor. Nach dem Schuß wird gewechselt, der Schütze stellt sich ins Tor und ein anderer Junge schießt. Die Kinder sprechen nicht dieselbe Sprache, aber sie verstehen sich gut. Wenn der Kleinste im Tor steht, wird der Ball sehr sanft gespielt. Geht ein Schuß daneben, gibt es fröhliches Gelächter, und Passanten spielen den Ball zurück.

Rückreise: Soller – Palma – Rückflug

Das historischen Bähnchen bringt mich in einer Stunde nach Palma. Es rattert durch Berglandschaften und viele Tunnels. Später in der Ebene geht´s entlang von Feldern, Orangenbäumen und Oliven-Plantagen

Den Frühstücks-Kaffee trinke ich im historischen Bahnhof in Palma im schönen Café „Parada“ (=Haltestelle). Direkt davor startet nachher der Bus Nr.1 zum Flughafen

3 Kommentare

  1. Liebe Lisa,

    ich erinnere mich sehr gut!
    Was für schöne Billder, vielen Dank!

    Und gute Besserung dem Bein. Wie wichtig, freudvoll und, für die meisten von uns, selbstverständlich Beweglichkeit ist, merkt man erst, wenn sie einem genommen wird.

    Herzliche Grüße 🙂
    Irene

    • Da hast du sehr recht, liebe Irene. Der Kopf weiß, dass Gesundheit ein Geschenk ist, Aber mit Dankbarkeit fühlen tut man das erst “ wenn der Schmerz nachläßt“.

  2. Liebe Lisa,

    erst mal gute Besserung und dann gracias für die tollen Berichte vom »17. Bundesland«. Wir waren auch mehrfach zum Wandern da, einmal in Paguera im Südwesten (aber das war uns zu sehr »deutsch«), die anderen Male im Nordwesten und in Norden, einmal auch im Nordosten. So gesehen und erlebt – eine herrliche Insel! Die leider, leider immer noch einen schlechten Ruf hat … unverdientermaßen …

    Falls Du noch dort bist: Weiterhin viel Spaß bei allem! Ansonsten viel Vorfreude auf die nächste Tour oder Reise!

    LG,

    Paul

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