Das erste Teil des Weges (zum Schloß Lichtenstein und weiter zur Nebel-Höhle) ist sehr schön und abwechslungsreich. Nach 8 km weiche ich ab von der klassischen Wegführung (Genkingen) für die Tulpenblüte in Gönningen. Der Weg dorthin durchs Wiesaz-Tal ist ein unerwartetes Highlight.

 

Traifelberg-Lichtenstein-Nebelhöhle-Wiesaztal-Gönningen (16km, 4:30)

Die lange Anfahrt (2 Stunden) nehme ich gerne in Kauf für die schöne Streckenwanderung: Um 8h verlasse ich das Haus, 8:27h Regionalzug Cannstatt – Reutlingen, Bus 7644 nach Honau-Traifelberg

Beim Skilift von Traifelberg (am Tobelkapf) geht es steil bergauf. Auf dem Skihang blühen Schlüsselblumen. Im Winter werden auch 2 Loipen gespurt:

Die mittelschwere (blaue) Stahleck-Loipe und die leichte (rote) Manental-Loipe (jeweils 8km)

Auf schönen Waldwegen geht´s hinauf zur Burgruine Alter Lichtenstein. Sie wurde 1388 zerstört, und es gibt nur noch ein paar Mauern zu sehen. Doch die Aussicht ist phantastisch

Auf der anderen Seite des Ezach-Tales verläuft der Albsteig am Fuße der Felsen – von Holzelfingen, auf der Hochfläche, kommend. Im November 2020 bin ich diesen Weg bei hereinbrechender Dunkelheit gegangen

Schloß Lichtenstein zeigte sich damals (im November 2020) wie ein Scherenschnitt

Nun geht´s hinauf zum Schloss –

Schloss Lichtenstein würde es ohne den Märchen-Autor Wilhelm Hauff nicht geben

24-jährig schrieb Wilhelm Hauff den Roman „Lichtenstein“. Inspiriert durch den Roman, erwarb Herzog Wilhelm von Urach das alte Forsthaus in der Nähe der Burgruine Alt-Lichtenstein. Und verwirklichte hier (1842) seine Vorstellung von einer romantischen Ritterburg auf dem Felssporn hoch über dem Tal.

Auf dem Aussichtspunkt nahe des Schlosses erinnert ein Denkmal an den Dichter Wilhelm Hauff

Wilhelm Hauff (1802-1827)
war ein Dichter der Romantik und Hauptvertreter der Schwäbischen Dichterschule. Sein Roman „Lichtenstein“ setzte Maßstäbe und begründete den historischen Roman in Deutschland. Seine Märchen waren schon zu seiner Zeit populär – bis heute: „Kalif Storch“, „Das kalte Herz“, „Zwerg Nase“ oder „Die Geschichte von dem kleinen Muck“. Wilhelm Hauff starb 25-jährig an Typhus.

Blühende Wiesen rund um das Schloss

Oben am Albtrauf folgt der Weg der Abbruchkante

Immer wieder eröffnen sich schöne Ausblicke über die Albhochfläche,

doch meist wandre ich auf Albsteig-typischen Wegen am bewaldeten Albtrauf

Auch Albsteig-typisch: Felsige Aussichtskanzeln hoch über dem Tal. Die jungen Leute blicken hinunter aufs Ezachtal und Honau. Auf der anderen Talseite liegt Holzelfingen (oben auf der Hochfläche)

In der Bildmitte sieht man Honau-Traifelberg, wo ich heute morgen gestartet bin (von Honau, Reutlingen kommend). Dahinter Engstingen, unten Honau, rechts Schloss Lichtenstein

Ideale Wander-Bedingungen bei 18°, öfters Sonne. Und es blüht im Wald und auf den Wiesen

Schlüsselblumen, Waldmeister, Wald-Anemonen, Vergissmeinnicht, erste Orchideen

und viel leuchtender Löwenzahn auf den gedüngten Wiesen der Albhochfläche

Die Nebelhöhle wurde schon im 16. Jh entdeckt, der größere Teil allerdings erst 1920. 800m der Tropfsteinhöhle sind inzwischen vermessen, die Hälfte davon ist als Schauhöhle zugänglich. Zu Corona-Zeiten leider nicht – auch der benachbarte Maultaschenwirt serviert nur am Wochenende, to-go

An der Nebelhöhle blühen noch Tulpen, weshalb mir die Idee kommt in Gönningen vorbei zu schauen. Denn Gönningen ist berühmt für seine Tulpenblüte

Die Felder auf der Schwäbischen Alb sind überaus steinreich. Hier (nach ca. 8km) zweige ich von der Route des Albsteigs ab. Ich lasse den regulären Zielort Genkingen links liegen, denn ich will zu Gönningens Tulpenblüte

Variante nach Gönningen

Unverhofft lande ich in einem wilden, engen Tal. Ein schmaler Pfad führt durch Massen von Bärlauch

Irgendwie bin ich im „Urwald von morgen“ gelandet

Das Tal wird breiter und das Bächlein fließt dem Wiesaztal zu

Im Wald gibt´s Sumpfgebiete und kleine Tümpel

Wiesaz-Tal, Wiesaz-Seen und Gönningen

Mein Bächlein mündet in die Wiesaz, der ich nun bis Gönningen folge

Die Wiesaz-Seen wurden auf dem Gelände eines ehemaligen Tuff-Steinbruchs angelegt

Als 1975 der Abbau von Tuff-Sandstein beendet wurde, widerstand der Stadtrat der Versuchung hier ein Gewerbegebiet anzusiedeln. 1976-79 wurde das ausgebeutete Gelände renaturiert, und seither freuen sich Menschen und Tiere an der wieder erstarkten Natur.

Im Naturschutz-Gebiet darf die Wiesaz wie seit Urzeiten wieder ihren Lauf verändern. Das führt öfters zu Überschwemmungen der Wege, aber auch zu neuen Tuff-Ablagerungen. Der Tuff-Sandstein ist ein begehrtes Baumaterial und wurde nicht nur in Gönningen, sondern auch überregional verwendet.

Die Alb ist „einen Kittel kälter“, wie meine Mutter sagte. Hier beginnt gerade die Apfelblüte, wahrend sie bei uns längst vorbei ist. Gleiches gilt für die Tulpenblüte, wegen der ich heute hergekommen bin.

Gönningen, das Tulpen-Dorf auf der Schwäbischen Alb

Nahe der Wiesaz treffe ich auf den Schaugarten der Samenhandlung Fetzer. Ein leuchtendes Blüten-Feuerwerk

Die Samenhändler aus Gönningen zogen seit dem 18 Jh. in die Welt, um Blumen- und Gemüsesamen zu verkaufen. Heute gibt es nur noch ein Samen-Fachgeschäft in Gönningen, aber ein erfolgreiches Marketingkonzept lockt zur Tulpenzeit die Menschen scharenweise in das kleine Dorf auf der Alb.

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Abschied der Samenhändler. Vater und Sohn gingen gemeinsam auf die Reise

1854 hatte Gönningen 2600 Einwohner. 1200 davon waren in Europa und sogar in Amerika als Samenhändler unterwegs. In Russland kam der St. Petersburger Hoflieferant aus Gönningen.

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Die Reisen waren gefährlich. In der Kirche gibt es eine Gedenktafel für die Männer, die fern der Heimat den Tod fanden

Gearbeitet ist das Denkmal in Gönninger Tuffstein, der nicht nur lokal Verwendung fand, sondern auch bei Großbauwerken, z.B. dem Berliner Olympiastadion.

Der Ortskern ist geprägt vom Gönninger Kalktuff

Am Gönninger Tulpenplatz steige ich in den Bus nach Reutlingen. Alle Verbindungen klappen reibungslos

2 Kommentare

  1. Rauch, Anna

    Danke liebe Lisa für den wunderschönen Ausflug. Liebe Gruesse Deine Anna

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