Marburg ist vor allem Universitätsstadt mit 800-jähriger Historie und einer verwinkelten Altstadt unterhalb des Schlosses. Die Lage an der Lahn macht die Stadt noch reizvoller.

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Marburgs bekannte Silhouette mit Schloss und Altstadt

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Auf der Lahn herrscht reger Bootsverkehr und die Ufer sind bevölkert  von chillenden jungen Leuten

Ich parke jenseits der Lahn und nähere mich der Stadt über die Lahn-Brücke. In der Unterstadt angekommen, gibt es 2 Aufzüge, die den Weg zur Oberstadt um 400 Stufen abkürzen.

 

Schon die Gebrüder Grimm scherzten, „dass es in Marburg mehr Treppen auf den Straßen gäbe als in den Häusern“. Die Brüder Grimm studierten ab 1803 in Marburg, 1819 wurde ihnen hier der Ehrendoktorwürde verliehen. Ordentliche Professoren waren sie allerdings an der Universität Göttingen.

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Ostseite des Rathauses, die Rathausschirne

Ich gehe lieber zu Fuß hinauf zur Altstadt, vorbei an der Universitätskirche, die in den alten Universitätskomplex integriert ist. Dabei nähere ich mich dem Rathaus von unten. Das untere Stockwerk des steinernen Rathauses, die Rathausschirne, wurde zeitweise als Gefängnis genutzt. Während der NS-Zeit wurden Regimgegner zuerst hierher gebracht, bevor sie auf andere Lager verteilt wurden.

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Das Rathaus ist Marburgs Wahrzeichen. Davor der weitläufige Marktplatz

Heute ist Semesterbeginn, und überall in der Stadt treffe ich auf Gruppen von Erstsemestlern, die ihre Kennenlern-Stadt-Ralleys veranstalten. Wer zusammengehört lässt sich leicht erkennen. Eine Gruppe hat rote Umhänge, andere gelbe, und eine Gruppe hat sich weiße Punkte ins Gesicht gemalt. Das Konzept scheint zu stimmen: Die Neulinge haben Spaß, und sie lernen einander und gleichzeitig Marburg kennen.

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Erstsemestler am Rathausbrunnen

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Ein steiler Weg führt hinauf zum Schloß. Auch hier sind die Erstsemester unterwegs, diesmal die Roten

Die Gebrüder Grimm

Wilhelm und Jacob Grimm sind weltweit bekannt, vor allem wegen der von ihnen gesammelten Kinder- und Hausmärchen, die UNESCO-Weltdokumentenerbe sind. Zusammen mit Luthers Bibel sind sie das meistübersetzte deutsche Buch. Es gibt sie in mehr als 160 Sprachen.

 

Ebenso wichtig sind die Sprachforschungen der Brüder Grimm, mit denen sie die Grundlagen für die Wissenschaft der Germanistik legten. Sie verfassten die „Deutsche Grammatik“ und das „Deutsche Wörterbuch“. Damit zählen sie zu den Gründern der Grammatik.

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Burgschänke am Schloß

Der Schuh markiert eine Station des Grimm-Pfades. An 14 Stationen werden Märchen und Historisches zu den zwei gelehrten Brüdern dargestellt. Für was steht der Schuh…? Natürlich fürs Aschenputtel. Beim schnellen Verlassen des Festes hat es seinen Schuh verloren.

 

Die Brüder Grimm traten ein für eine Vereinigung der deutschen Kleinstaaten und halfen mit, die Menschen- rechte für Deutschland zu formulieren. Sie waren unter den „Göttinger Sieben“, den Göttinger Professoren, die wegen einer Streitschrift 1837 des Landes verwiesen wurden. In der Zeit ohne Anstellung konzipierten sie das „Deutsche Wörterbuch“, eine Entwicklungsgeschichte der Wörter. Drei Jahre nach der Ausweisung holte sie der neue preusische König nach Berlin, wo sie bis zu ihrem Tod über die deutsche Sprache forschten.

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Durch enge Altstadtgassen spaziere ich wieder hinunter in die Oberstadt

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Die Altstadt ist größtenteils Fußgängerzone mit vielen Straßencafés

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Die Alte Universität mit der Großen Aula

Heute sind die Fakultäten über das ganze Stadtgebiet verteilt. In Marburg studieren 25 000 Studenten Medizin, Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften.

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Den Garten des Gedenkens gibt es seit 2013. Er wurde als Gedenkstädte am Standort der ehemaligen Synagoge eingerichtet, die in der Reichsprogromnacht vom 11. November 1938 zerstört wurde

Mit der Progromnacht möchte ich meinen Bericht über Marburg nicht beenden, sondern mit einem Zitat, das ich im Gebrüder-Grimm-Museum gefunden habe:

 

Wilhelm und Jacob Grimm haben quasi alles sprachlich greifbare „Deutsche“ durch ihr wissenschaftliches Schaffenswerk zusammengetragen und damit auch als Philologen entscheidenden Anteil an der deutschen Einigung genommen.

 

Daher ist es kein Zufall, dass Jacob Grimm 1848 als Abgeordneter in die verfassunggebende Versammlung des ersten deutschen Nationalparlaments in der Frankfurter Paulskirche berufen wurde. Sein dort gestellter Antrag zum Artikel 1 der Grundrechte hat, obwohl damals abgelehnt, bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt: „Das deutsche Volk ist ein Volk von Freien, und deutscher Boden duldet keine Knechtschaft. Fremde Unfreie, die auf ihm verweilen, macht er frei“.“

 

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