Nach Side möchte ich wegen seiner Ausgrabungen aus griechischer und römischer Zeit. Side war damals eine Weltstadt mit 40 000 Einwohnern. Heute gehört Side mit Pergamon und Ephesos zu den meistbesuchten Ausgrabungsstätten der Türkei.

 

In der Türkei ist das öffentliche Busnetz hervorragend ausgebaut. Alle größeren Orte sind gut erreichbar. Von Alanya aus fahre ich eine Stunde nach Side. Der kleine Busbahnhof befindet sich gleich hinter dem Ausgrabungsfeld. Ich steige aus dem Bus aus und stehe schon vor dem ersten antiken Highlight.

Das antike Side

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Das Nympheum, Brunnen und Tempel für die Nymphen

Die monumentale Brunnenanlage war die größte Kleinasiens: 52 m lang und 20 m hoch, marmorverkleidet und dreistöckig mit Säulen geschmückt. Das riesige Becken davor fasste 500 Kubikmeter Wasser.

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So hat der Brunnen in der Antike ausgesehen. Ein großartiger Tempel für die Nymphen

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Die Kolonnadenstrasse war von Geschäften gesäumt und mit Säulen geschmückt. Im Hintergrund die Stadtmauer

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Die weltliche Agora war das wirtschaftliche Zentrum der Stadt, von Hallen und Läden und 100 Säulen umgeben

Hier fand der Handel statt, und die Piraten verkauften hier ihre Sklaven, die sie bei Überfällen auf Handelsschiffe und Küstenorten gefangennahmen. Side unterstützte so die Piraterie, auch die Schiffe der Piraten wurden in Side gewartet. 67 vor Chr. beendete Kaiser Pompeus die Piraterei in der großen Schlacht von Korakesion, bei der 10 000 Mann ihr Leben ließen.

DSC02200Das Theater fasste 20 000 Zuschauer und ist das Wahrzeichen Sides. Eine Besonderheit ist, dass es nicht an einen Hügel gebaut werden konnte, weil es nämlich keinen gab. Es war ein gewaltiger Unterbau nötig, für den die alte Seemauer das Material lieferte. Sie war in Friedenszeiten überflüssig geworden.

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Das Ausgrabungsfeld inmitten der Natur

Hafen und Altstadt

DSC02215Das seichte Hafenbecken versandete in alten Zeiten und musste regelmäßig mit viel Aufwandt ausgebaggert werden. Exponiert stehen die Reste des Apollon-Tempels direkt am Meer.

DSC02220Der Athene- und Apollontempel aus dem 2. Jh vor Chr. wurden bei einem Erdbeben stark beschädigt. Die 6 wieder aufgerichteten Säulen des Apollontempels schmücken pittoresk die Südspitze der Halbinsel von Side.

DSC02224Die Altstadt von Side, die sich dem Ausgrabungsfeld anschließt, ist für mich eher enttäuschend. Sie besteht aus netten Häusern und Plätzen, dazwischen eingesträut immer wieder antike Reste. Es geht aber überaus touristisch zu, ständig wird einem irgendetwas penetrant angeboten.

 

Die Altstadt ist für Side-Urlauber ein Anlaufpunkt zum Ausgehen, Shoppen und Promenieren. Gewohnt wird in den Hotels entlang der kilometerlangen Strände, in den Ferienzentren der Umgebung.

Die endlosen Strände von Side

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Ein Jahr später (im April 2015) habe ich ein Faltrad dabei und fahre ein paar Kilometer entlang der endlosen Strände. Die Uferpromenade beginnt im Zentrum, ein Stück weit begleitet von antiken Mauerresten

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Strand und Srand-Infrastruktur soweit das Auge reicht

Sonnenhungrige finden hier alles was sie brauchen: Feinen Sandstrand, Liegestühle, Wassersport-Zentren und Strandbars, und jenseits der Fußgänger-Strandpromenade liegen die Hotels, Bars und Restaurants.

DSC02211Zurück ins Jahr 2014: Nach einem Kaffee mit Meerblick nehme ich den Bus zurück nach Manavgat.

Manavgat

Manavgat gehört zum Ausflugsprogramm der Side-Touristen, vor allem wegen seines lebendigen Wochenmarktes, und um die „wirkliche Türkei“ kennen zu lernen.

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Ich esse wieder einmal gut und reisekasse-schonend am Busbahnhof, wo ich in den Bus zum Wasserfall am Manavgat-Fluss umsteige

DSC02231Der Wasserfall ist nicht sehr hoch, aber wegen der großen Wassermassen gibt es dennoch ein ordentliches Brausen und Tosen. Ein netter Platz, um einen (total überteuerten) Kaffee zu trinken. Besser nicht am Wochenende herkommen, da ist hier die Hölle los.

 Ein Erlebnis im Bus

Für die Rückfahrt nach Alanya muss ich wieder am Busbahnhof in Manavgat umsteigen. „Ja, ja, es reicht noch einen Kaffee zu holen“ sagt mir der alte Mann, der die Reisenden in die richtigen Busse lotst. Ich hole den Kaffee im Plastikbecher und behalte den Geldschein fürs Ticket gleich in der Hand. Der Bus ist noch leer und ich kann mir einen Sitzplatz aussuchen.

 

Doch erst mal muss ich alles verstauen: Den Kaffee, Geldbeutel und Geldschein habe ich in der Hand. Und dann gibt es noch Rucksack , Schal und Jacke. Lange Rede – kurzer Sinn: Kurz nachdem der Bus angefahren ist, stelle ich fest, dass mein Geldbeutel fehlt.

 

Ein Passagier sagt: „Der lag hier und jemand hat ihn am Busbahnhof abgegeben.“ Der Busfahrer hält, und ich winde mich aus dem inzwischen überfüllten Bus. Jemand trägt mir noch meinen Schal hinterher und am Busbahnhof übergibt mir der „Lotse“ den Geldbeutel samt dem Geldschein, der dabei lag.

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