Vor einem Jahr wanderte ich auf dem Albsteig von Ownen nach Urach. Heute setze ich den Fernwanderweg fort. Und bin begeistert von der Top Tour: Typische Alb-Landschaften, Wald, blühende Wiesen auf der Albhochfläche, Felsen mit Aussicht, und ein Highlight zu Beginn – der Uracher Wasserfall.

 

Bad Urach-Uracher Wasserfall-St. Johann-Reutl.Eningen (18 km, 5:30h)

Metzingen

Per Bahn brauche ich eine Stunde von Bad Cannstatt bis Bad Urach. Umstieg in Metzingen in den Bahn-Erstazverkehr. Metzingens Bahnhofs-Platz wird gerade umgestaltet, weshalb die Bushaltestelle verlegt ist. Bis wir das merken, ist der Bus weg und der nächste fährt in einer halben Stunde.

 

Ich treffe einen Wanderer, der auch nach Urach will. Er ist mit großem Rucksack unterwegs, zum Albsteig – so weit die Füße tragen, dann baut er sein Zelt auf. Super Idee zur Corona-Zeit, wo es keine Übernachtungs-Möglichkeiten gibt. Wir nutzen die Zeit und gehen hinüber zu

Metzingens Kelterplatz

Ich bin geplättet – so etwas habe ich noch nirgendwo gesehen: Ein riesiger Platz auf dem mehrere große Keltern stehen. Teils offen, teils geschlossen, aktuell genutzt als Bibliothek, Festkelter oder Weinbau-Museum

Schon um 1500 gab es, wie heute, 7 Keltern in Metzingen. Die offenen Hallen dienten als Wetterschutz für mehrere Most-Pressen und zur Aufbewahrung von Bütten und anderem Gerät. 2 Keltern haben Weinkeller

Die Keltern waren in kirchlichem oder herrschaftlichem Besitz

Kein schönes, aber ein dokumentarisches Bild: Metzingens Bahnhof mit Baustelle, dahinter ein Weinberg. Außer Wein  gibt es rund um Metzingen große Streuobst-Wiesen, durch die der Ermstal-Radweg führt

Ermstal-Radweg: Neckartenzlingen- Empflingen-Metzingen-Dettingen-Urach-Trailfingen-Münsingen. Besonders schön während der Obstblüte

Wandervorschlag am Bahnhof: Gustav-Strömfeld-Weg (22km), von Metzingen nach Neuffen. Er wird gelobt als einer der schönsten Wege auf der Schwäbischen Alb, gewidmet dem Begründer der Albvereins-Wege

Bad Urach, Unterer Wasserfall-Weg

Es empfiehlt sich den Unteren Wasserfall-Weg durchs Meisental zu nehmen

Ein wunderbarer Weg, immer neben dem plätschernden Bächlein

Ausblick zum Albtrauf, zu dem ich beim Uracher Wasserfall hinaufsteigen werde. Die Rutschen-Felsen sind mein nächstes Ziel

Blick zurück auf das Meisental mit dem Brühl-Bächlein. Darüber thront die Ruine Hohenurach,

sicher auch mal ein lohnendes Wanderziel (Plakatbild)

Auf genussvolle Weise bewältige ich den Alb-Aufstieg: Entlang des Bächleins und am Wasserfall,

der 37m in die Tiefe tost

Oben angelangt, befindet sich eine Hochwiese mit Wasserfall-Kiosk,

durchflossen vom Brühl-Bächlein, das kurz danach als mächtiger Wasserfall zu Tale stürzt

Albsteig

Hier treffe ich auf den Albsteig, der von Bad Urach auf anderem Weg herauf kommt. Nun gehts immer am Albrand entlang

Welch passendes Wort für meinen heutigen wundervollen Tag

Mit Ausblick auf die Rutschen-Felsen halte ich Mittagsrast

Der Albsteig streift immer wieder die Albhochfläche mit Wiesen und Äckern

Gleich darauf Aussicht vom Rutschen-Felsen: Burg Hohenurach, darunter das Meisental mit Wasserfall-Weg

Oftmals sind die Aussichtspunkte einladend gestaltet

Gestüt St. Johann, Teil des Landesgestüts Marbach

Durch den Wald führt mein Weg weiter zum Fohlenhof des Gestütes St. Johann

1965 besuchte die englische Königin Stuttgart. „Where are the horses?“ soll die Queen gefragt haben, als man ihr Schillers Geburtsort Marbach zeigte. Die edlen Rössern des Gestüts Marbach waren ihr ein Begriff

Die Gestüte des Landesgestüt´s Marbach

Eine wundervolle Allee verbindet den Fohlenhof mit dem Gestüt St. Johann

Der Albsteig verläuft nebenan, im Wald

Zwischendurch gibts immer wieder Seelennahrung

Weil ich zwischendurch ein Stück auf der eindrucksvollen Allee gehe, verpasse ich die Abzweigung zur Hohen Warte, einem Aussichtsturm im Wald

und erreiche über eine andere Allee das Gestüt St. Johann. Bis 1979 betrieb der Hof außer Pferdezucht auch Landwirtschaft mit Kühen und Schweinen

Zum Gestüts-Gasthof gehört ein schattiger Biergarten, mit Sitzplätzen unter mächtigen Bäumen

St. Johann ist flächenmäßig der größte der drei Gestütshöfe Marbach, Offenhausen, und St. Johann mit seinen Vorwerken. Alle gehören zum Landesgestüt Marbach (Plakatbild)

Zum Wanderheim Eninger Heide

Ich verlasse den Albsteig, der auf breitem Weg weiterführt zum Wanderheim Eninger Heide. Denn der in der Nähe verlaufende kleine Pfad ist viel schöner zu begehen

Das Albvereins-Wanderheim Eninger Heide mit schönem Kinderspielplatz wird betrieben von der Albvereis-Ortsgruppe Reutlingen-Ehningen. Gleich daneben (wieder auf dem Albsteig)

das Oberbecken des Pump-Speicherwerks Glems. Hier kann Strom gespeichert werden

Bei Bedarf fällt das Wasser ins Unterbecken (Bild), dabei wird Strom erzeugt. Das Pump-Speicherwerk von 1964 gehört zu den Neckarwerken Stuttgart, und dient zur Deckung von Bedarfsspitzen

Prächtige Aussicht zur Achalm ob Reutlingen. Davor Eningen, mein heutiges Tagesziel. (Hännersteig-Fels, 787m)

Spiel- und Grillplatz beim Wildgehege. Hier verlasse ich den Albsteig, hinunter nach Reutlingen-Eningen (Bus). Auf wunderschönem Weg, durch Wald, Heide, Streuobstwiesen (1h)

Abstieg nach Eningen unter Achalm

Ich trete aus dem Wald heraus in blühende Heidelandschaft, mit Blick nach Eningen unter Achalm

Die ohnehin trockene Heide ist ausgedörrt im regenarmen Frühjahr 2020

Die Heide geht über in Obstwiesen. Kirschen und Birnen sind verblüht, Apfelbäume tragen noch ihr Blütenkleid

Aus dem Bus heraus fotografiere ich die Alte Weberei in Eningen. In den 1920er und 30er-Jahren war die Baumwoll-Weberei der einzige Arbeitgeber am Ort. 500 der 1000 Arbeiter-Familien verdienten hier ihr Brot

Firmenchef Ernst Saulmann war ein sozial eingestellter Unternehmer – und Jude. 1935 verließ die Familie Saulmann Deutschland. In einem Artikel von Carola Eissler erfahre ich mehr über die Weberei und ihren Inhaber: „Agathe Saulmann hat später berichtet, dass eine Ansprache des NSDAP-Kreisleiters Sponer am 15. Dezember 1935 zu ihrem raschen Entschluss geführt hatte. Sponer hatte die Arbeiter aufgestachelt und sie zu einem Aufstand gegen den Juden Saulmann angetrieben, damit er diesen in Schutzhaft nehmen könne. Da wussten die Saulmanns, dass sie keine Zukunft im Land haben.“

 

Die Saulmanns gingen nach Florenz, wurden 1938 aus dem faschistischen Italien ausgewiesen und gingen nach Nizza. Nachdem die deutsche Wehrmacht Frankreich besetzte, wurden Ernst und Agathe Saulmann im Lager Gurs interniert. Beide haben sich von den dortigen Strapazen nie mehr erholt. Ernst Saulmann verstarb 1946, Agathe Saulmann verstarb 1951 an den Folgen eines Selbstmordversuchs.

2 Kommentare

  1. Und wieder eine tolle Ausfahrt

  2. Ja, die lange Anfahrt zur Schwäbischen Alb hat sich gelohnt. Es war ein schöner Tag. Heute erhole ich mich

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