Moritz´ Auslandssemester hat bereits begonnen, und ich transportiere seinen Hausstand nach Wien. Salzburg ist mir einen Zwischenstopp wert. Bisher assoziierte ich mit Salzburg Kunst und Musik, und vor allem Mozart. Nun erfahre ich, dass Salzburgs Wohlstand vom Handel mit Salz herrührt.

 

Das ermöglichte den Herrschern, Weltstars der Kunst- und Architekturszene zu engagieren für die Errichtung ihrer grandiosen Kirchen und Päläste. Seit 1917 gibt es die Salzburger Festspiele, und 1997 wurde Salzburg Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

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Entlang der Salzach nähere ich mich der Salzburger Altstadt, wehrhaft darüber thront die Festung Hohensalzburg

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Die Getreidegasse ist der historische Verkehrs- und Verkaufsmittelpunkt der Stadt

Charakteristisch sind die geschmiedeten, teils vergoldeten Geschäftsschilder. Die Menschen des Mittelalters waren des Lesens nicht kundig und auf diese Zeichensprache angewiesen

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1756 wurde Mozart in dem gelben Haus in der Getreidegasse geboren. Seine Kindheit und Jugend als Wunderkind war geprägt von ständigen Konzertreisen, die der ehrgeizige Vater organisierte

1773-1780 lebte Mozart in Salzburg,
als erzbischöflicher Konzertmeister und Organist. Auch während dieser Zeit unternahm er viele Konzertreisen. Als Mozart 1781 dem Erzbischof nicht nach Wien folgen will, wird er mit “einem Tritt in den Arsch” (Zitat Mozart, in einem Brief an seinen Vater) aus den erzbischöflichen Diensten entlassen.

 

Mozart hatte seit seiner Kindheit eine labile Gesundheit. Trotz hoher Einkünfte (während seiner Anstellung) war er verschuldet, weil weder er noch seine Frau Constanze mit Geld umgehen konnten. In den letzten Jahren seines Lebens schrieb er trotz Armut und hohen Schulden einige seiner schönsten Werke, darunter “Don Giovanni” und “Die Zauberflöte”.

 

Sein erster Biograph Friedrich Schlichtegroll schrieb: “So wie Mozart früh in seiner Kindheit ein Mann wurde, so blieb er in fast allen übrigen Verhältnissen ein Kind.” Mozart stand sich oft selbst im Weg, war unzufrieden und unglücklich. Doch seine Werke sind von vollkommener Schönheit. Sie machen ihn unsterblich, als einen der größten Komponisten aller Zeiten.

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1890 kreierte der Salzburger Konditor Paul Fürst die Mozart-Kugel, aus Pistazien, Marzipan und Nougat. Benannt nach dem fast 100 Jahre zuvor verstorbenen Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart

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Salzburgs Dom und die Residenz der Fürsterzbischöfe bilden ein Bau-Ensemble, verbunden durch die Dombögen. Ein Symbol für die Vereinigung von geistlicher und weltlicher Macht

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Mozart wurde 1756 im Dom getauft. Später war der Dom seine Arbeitsstätte, als Organist spielte er die Hoforgel

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Blick vom Dom auf den Domplatz. Im Winter ist die Mariensäule schützend umbaut

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Den Kapitelplatz nebendem Dom ziert seit 2007 die Skulptur „Sphaera“, ein Mann auf einer goldenen Kugel, vom deutschen Bildhauer Stephan Balkenhol

Kunstprojekt Salzburg – Walk of Modern Art
Von 2002-2011 wurde jedes Jahr ein Skulpturenprojekt geschaffen. Von einem namhaften internationalen Künstler im öffentlichen Salzburger Stadtraum. Die kulturelle Tradition Salzburgs wird so durch zeitgenössische Kunst weitergeführt. Und die Öffentlichkeit kann sich unmittelbar mit den Skulpturen auseinandersetzen. Heute umfasst der Salzburger „Walk of  Modern Art“ zwölf Werke aus zehn Jahren.

 

Reinhold Würth, ein moderner Kunstmäzen
Initiiert und umgesetzt wurde der “Walk of Modern Art” von der Salzburg Foundation. Nach Abschluss des Projekts erklärte Reinhold Würth sich bereit, die 12 Kunstwerke in die Obhut seiner Unternehmenssammlung zu nehmen. Seit 2013 stellt die Sammlung Würth die Kunstwerke als Dauerleihgabe der Stadt Salzburg zur Verfügung.

Salzburgs Neustadt, am anderen Ufer der Salzach

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Das Hauptgebäude der Universität Mozarteum ist ein Neubau neben dem Schloss Mirabell

Das Mozarteum
wurde 1841 als Salzburger Musikschule und zur Sammlung alter Mozart-Dokumente gegründet. Heute untergliedert sich das Mozarteum in 3 selbständige Organisationen.
Universität Mozarteum: Kunsthochschule für Musik, Schauspiel und verwandte Fächer
Stiftung Mozarteum:     Konzertveranstalter, Musikaliensammlung und Forschungsinstitut
Mozarteumorchester:    Symphonieorchester von Stadt und Land Salzburg

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Das Gartenschloss Mirabell ist wenig spektakular, der barocke Mirabellgarten jedoch ein Touristenmagnet

Das Schloss hat eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte:
Erzbischof Wolf Dietrich nahm es mit dem Zölibat nicht so genau, und aus seinem Verhältnis zu Simone Alt gehen 10 Kinder hervor. 1606 läßt er seiner Geliebten ein Schloss bauen, das er Schloss Altenau nennt. Nach dem Sturz des Landesfürsten wird Simone aus dem Schloss vertrieben. Um die Erinnerung an Wolf Dietrich schnell zu löschen, wird das Schloss umbenannt in Mirabell.

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Die Dreifaltigkeitskirche (erbaut 1703) sieht der berühmten Wiener Karlskirche ähnlich und stammt auch vom gleichen Architekten: Fischer von Erlach

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Landestheater, gleich daneben das Konzerthaus der Mozart-Stiftung,

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das Mozarteum, beides Spielstätten der Salzburger Festspiele

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Ich wohne in der Nähe des Hauptbahnhofs, gleich davor befindet sich der Busbahnhof

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Die nächtliche Stadtansicht – ein glänzendes Juwel

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Abendessen gibts im traditionsreichen Braugasthof Sternbräu (seit 1542), einem großen Gastronomie-Komplex mit Biergarten. Direkt in der Altstadt in der Getreidegasse

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An Dom und Residenz vorbei gehe ich zum

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Mozartplatz, auf dem seit 1842 das Mozartdenkmal an den größten Sohn der Stadt erinnert

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Laute Musik lockt mich zum Endpunkt der Tanzdemo One-Billion-Rising. Tanzend wird für die Selbstbestimmung von Frauen demonstriert

One Billion Rising
steht für Solidarität mit allen Mädchen und Frauen und gegen Ausbeutung und Gewalt

“Eine Milliarde Frauen weltweit sind von Gewalt betroffen. Das sind eine Milliarde Töchter, Mütter, Großmütter, Schwestern, Geliebte und Freundinnen. Über 600 Millionen Frauen leben in Ländern, in denen häusliche Gewalt nicht als Verbrechen angesehen wird. Die weltweite Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau im Alter zwischen 15 und 44 Jahren vergewaltigt wird oder häusliche Gewalt erfährt, ist höher als an Krebs oder Malaria zu erkranken oder an einem Verkehrsunfall beteiligt zu sein.” (Zitat aus dem Demonstrations-Aufruf)

 

Am nächsten Morgen
parke ich nahe der Altstadt, Die Häuser sind hier direkt an den Fels gebaut, so auch das Musem der Moderne, mit dessen Aufzug man bis aufs Felsenplateau des Mönchsbergs fahren kann. Dort steht das eigentliche Museumsgebäude.

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Am oberen Bildrand sieht man im Fels die “Bergputzer”, die in der Vertikalen angeseilt, Wildwuchs aus dem Fels entfernen

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Obwohl kein Kirchen-Fan, besuche ich die Erzabtei St. Peter,

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wegen der unglaublichen Rokoko-Ausstattung, und weil Mozart hier seine Kompositionen aufführte. Alljährlich erklingt hier am Vorabend seines Todestages das Requiem

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Der Friedhof von St. Peter wird gerne als schönster Gottesacker der Welt bezeichnet. Bei den 7 Grabkreuzen ist der Steinmetz Stumpfegger begraben, sein Sohn und die 5 Ehefrauen der beiden

Schöne Spazierwege oberhalb der Stadt

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Zur Hohensalzburg kann man seit 1857 hinauffahren oder in 10 Minuten auf Stiegen und steilen Wegen hinauflaufen

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Oben gibt es geruhsame Spazierwege, Ruhe, Ausflugslokale und schöne Aussichten

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Blick von der Richterhöhe ins nächste Tal

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Überall trifft man auf Wehranlagen. Die Festung wurde im 30-jährigen Krieg uneinnehmbar ausgebaut

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Von der Burg spaziere ich auf schönen Wegen zum Aussichts-Lokal Stadtalm am Mönchsberg. Der große Komplex im Vordergrund ist die Universität, rechts davon der Festspiel-Bereich

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Das Museum der Moderne auf dem Mönchsberg, erreichbar von der Altstadt durch einen Aufzug

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Mittagspause für die Bergputzer. Angeseilt arbeiten sie im senkrechten Fels

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Salzburg, die Stadt der pompösen Kirchen und Paläste. Von links: Kollegienkirche (links davon Mozarts Geburtshaus), Franziskaner-Kirche, St.Peter, Dom

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Über viele Stufen, auf aussichtsreichem Weg, steige ich hinunter zum Festspielhaus (links), rechts die Universität

Die Salzburger Festspiele
wurden 1917 gegründet. Der Wiener Regisseur Max Reinhardt fand sich zusammen mit dem Dirigenten Franz Schalk, dem Komponsten Richard Strauß, dem Bühnenbildner Alfred Roller, dem Dichter Hugo von Hofmannsthal. 1920 führen sie auf dem Domplatz erstmals Hofmannsthals “Jedermann” auf.

 

“Die ganze Stadt ist Bühne” (Max Reinhardt)
Seit 1925 wird in den ehemals fürsterzbischöflichen Hofstallungen gespielt. Aus diesem Provisorium erwuchs der Festspiel-Bezirk. Heute gibt es zwei Festspielbezirke diesseits und jenseits der Salzach:

 

In der Altstadt: An der Felswand des Festungsberges befinden sich die drei Festspielhäuser: Großes Festspielhaus, Felsenreitschule und “Haus für Mozart” (die ehemalige Winterreitschule). Der Domplatz ist traditionelle Spielstätte des “Jedermann”, auch die drei Barockkirchen sind Spielstätten. Auf der anderen Seite der Salzach befinden sich das Salzburger Landestheater und des Mozarteum, beide gelten als architektonische und akustische Juwele der Gründerzeit.

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Vom Museum der Moderne schaue ich nocheinmal hinauf zu den Bergputzern. Einer hat mich gleich als Schwäbin idendifiziert: “Du redst wi mai Fraind in Stuttgart”

1 Kommentar

  1. wie immer sehr schöne Fotos. Und Glück gehabt mit dem Wetter!

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