Eine Tour nur bergab! Vom Kurort Freudenstadt im Schwarzwald geht es hinunter in die Rheinebene nach Rastatt. Entlang der Murg verkehrt die S-Bahn. Man kann an vielen Haltestellen zusteigen und zurück nach Freudenstadt fahren. Eine gemütliche Tour durch Schwarzwald-Landschaft und einladende Orte. Mit viel Information über Wasserkraft und Flößerei.
Freudenstadt – Baiersbronn – Gernsbach – Rastatt – (per Bahn zurück nach Stuttgart)
Länge 70 Km,  Streckentour, Start: Freudenstadt, Ziel: Rastatt 

 

Von Alpirsbach nach Freudenstadt fahre ich am Morgen mit dem Zug. Ich kenne die Strecke bereits, sie ist das steilste Stück des Kinzigtal-Radwegs. Und heute wird es wieder richtig heiß, 37 Grad! Also besser ab Freudenstadt bergab radeln.

Freudenstadt

Pfingstmontag in Freudenstadt. Es wird der heißeste Tag des Jahres mit 37 Grad

Murgtal

Das Tal der jungen Murg

Friedrichstal und Friedrich August Pulvermüller (1769-1858)

Von jeher gab es den Hüttenstandort Friedrichstal, doch erst die von Pulvermüller entwickelten Verfahren ermöglichten die Produktion von hochwertigem Stahl. Bisher musste der Stahl für die Sensen-Herstellung aus Österreich importiert werden.

 

Die Sensen und Gerätschaften aus dem neuen Stahl fanden reißenden Absatz und so wurde 1804 eine neue Fabrik, der “Sensenhammer” in Friedrichstal gebaut. Pulvermüller war inzwischen Werksleiter und verbesserte immer mehr sein Rohmaterial. Er legte alle Rohmaterialien persönlich bereit, und war bei jeder Schmelzung anwesend.

 

Aus dem neuen Stahl wurden Sensen, Schaufeln, Spaten und Gabeln geformt, aber auch Degen und Flinten. Nach dem Brand der Degen- und Flintenfabrik im Jahr 1811 wurde die Waffenproduktion nach Oberndorf am Neckar verlegt und entwickelte sich dort zu den Mauser-Werken.

 

Von 1804-1845 war Pulvermüller Leiter des Hüttenwerks und machte Friedrichstal zum bedeutendsten Hüttenstandort in Süddeutschland. Er galt als fröhlicher und bescheidener Mensch, seine Laboranten bezeichneten ihn als “gütigen Vater”.

Königshammer, Friedrichstal

Friedrichstal war bekannt für seine Sensenherstellung mit hochwertigem Stahl und der Wasserkraft der Murg. Diesen Hammer kann man noch vor Ort sehen

DSC03877

1884 arbeiteten im Werk Sensenhammer der “Königlichen Hüttenwerke” 220 Arbeiter

Der Breithammer konnte zwischen 70 und 150 Schläge pro Minute machen

Der Breithammer konnte zwischen 70 und 150 Schläge pro Minute machen

DSC03918

Weiter geht es, bestens beschildert !

Bahnhof Baiersbronn

Am Bahnhof Baiersbronn erinnert der Wassereinfüll-Arm an die Zeit der Dampfloks

Baiersbronn

Auch am Pfingstmontag wird Heu gemacht

Wasserstuben und Schwallungen

Für die Flößerei wurden Wasserstuben errichtet zum Einbinden der Flöße, und als Wasserlieferanten, damit auch bei Niedrigwasser geflößt werden konnte. Wenn ein Floß einfuhr in die Wasserstube, wurde der Ablauf geöffnet, und das Floß schwamm nun auf künstlichem Hochwasser zur nächsten Wasserstube.

 

Schwallungen waren reine Wasserlieferanten am Talanfang, Sie konnten nicht befahren werden.

Die Murg wird breiter bei Baiersbronn

Bis kurz nach 1800 gab es hier eine Wasserstube

Die Murgtalbahn

Der Bau der Murgtalbahn ist ein Kuriosum: An der 58 Kilometer langen Strecke zwischen Rastatt und Freudenstatt plante und baute man rund 70 Jahre lang. Weniger als einen Kilometer pro Jahr!

 

Seit 1850 gab es die Idee einer Bahnlinie durchs Murgtal, zum Abtransport des Holzes, und für den Hertransport der Rohstoffe für die Glasfabriken in Schönmünzach und Buhlach. Die Realisierung scheiterte an Querelen zwischen dem Königreich Württemberg und dem Großherzogtum Baden. Die gemeinsame Grenze war bei Schönmünzach.

 

Schließlich baute man von beiden Seiten auf die Grenze zu, Fertigstellung war 1928. Doch nahe der Grenze, im Bahnhof von Schönmünzach mussten noch jahrelang Lokomotiven samt Bedienungsmannschaft ausgewechselt werden.

DSC03902

Durchs Murgtal fährt die S-Bahn von Freudenstadt nach Karlsruhe. Man kann die Tour jederzeit abkürzen

DSC03915

Bestes Trinkwasser sprudelt aus den Quellen. Hier direkt an der Landesgrenze zwischen Baden und Württemberg bei Schönmünzach

DSC03923

Gernsbach, die “Perle des Murgtals” mit seiner historischen Altstadt

 Marktplatz von Gernsbach

Letzte Pause auf dieser schönen Tour am Marktplatz von Gernsbach

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>